City Gardening und Selbstversorgung erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Wir sprechen mit Sascha Ehler, Geschäftsführer von Romberg, über neue Produkt- und Markttrends für das Gärtnern in der Stadt.
Trend zur Selbstversorgung
Lieber Sascha Ehler, immer mehr Menschen leben heute in Städten und haben ein wachsendes Bedürfnis nach Grün und Natur. Welche Entwicklungen beobachten Sie zurzeit beim Thema City Gardening?
Die wesentliche Entwicklung ist tatsächlich der Trend zur Selbstversorgung. Es geht darum, die eigenen Lebensmittel selber anziehen und ernten zu wollen. Ich bin davon überzeugt, dass dahinter auch das Bedürfnis nach mehr Selbstwirksamkeit steht – selbst etwas machen zu können und die eigenen Produkte auf dem Balkon anzuziehen. Früher gab es die Auffassung, wenn ich keinen eigenen Garten habe, brauche ich damit gar nicht erst anzufangen. Heute bieten wir zahlreiche Produkte an, so dass man auch auf seinem Balkon oder in der Wohnung einen Nutzen daraus ziehen kann. Die Studie „Garten im Wandel“ von 2025 hat gezeigt, dass insbesondere das Thema Selbstversorgung bei der Balkongestaltung im Fokus steht und weniger das Thema Zierpflanzen.
Kommunikation von Erlebnissen
Wie können Pflanzen und Selbstversorgung das Leben in Städten verbessern?
Zuallererst tragen sie zu einem besseren Gefühl bei, weil ich die Kontrolle darüber habe, was ich esse und wo die Produkte herkommen. Wenn ich die richtigen Produkte benutze und mich ein bisschen damit auseinandersetze, dann erhalte ich ein tolles Ergebnis und habe nebenbei auch noch Spaß. Ich kann meinen Kindern etwas über die Natur beibringen, wie Pflanzen entstehen, wie Kräuter und Gemüse angebaut werden etc. Außerdem bin ich häufiger draußen an der frischen Luft. Das alles trägt insgesamt zu einem besseren Lebensgefühl bei. Ich denke, das ist der wichtige Punkt, den wir mit unseren Produkten rüberbringen und im Handel kommunizieren müssen.
Wie kann die Gartenbranche Menschen für urbanes Gärtnern noch mehr begeistern?
Wichtig ist aus unserer Sicht, dass wir erstmal möglichst keine Hürden aufbauen. Wir müssen rüberbringen, dass anzufangen ein ganz einfacher Schritt ist, weil man außer unseren Einstiegsprodukten und einem guten Substrat eigentlich nichts braucht. Ansonsten genügt Wasser und Licht und der richtige Ort, um die Pflanze zu positionieren – und schon wächst etwas. Relativ schnell stellen sich dann die ersten Erfolgserlebnisse ein. Vor allem auch dieses Erfolgsversprechen müssen wir kommunizieren.

Sascha Ehler ist Geschäftsführer des Anzucht-Spezialisten Romberg. © Romberg GmbH & Co. KG

Anzucht-Erlebnisbox für das gemeinsame Gärtnern © Romberg GmbH & Co. KG
Gewandelte Anforderungen
Denken Sie, dass Konsumenten heute mehr ganzheitliche Lösungen mit konkretem Nutzen für ihren persönlichen Außenbereich erwarten?
Ja, auf jeden Fall. Wie wir das gerade in vielen anderen Lebensbereichen sehen, suchen wir alle nach möglichst einfachen Lösungen. In unserem Bereich haben wir noch die Hürde, dass Menschen gerne etwas auf ihrem Balkon anpflanzen würden, aber Angst haben, etwas falsch zu machen. Und da sagen wir, mit dem richtigen Produktsystem braucht man diese Angst nicht haben. Ich glaube, das muss die Industrie zusammen mit dem Handel noch viel besser kommunizieren: Mit einem System ist der Einstieg ganz leicht und das gewünschte Ergebnis schnell hinzubekommen. Dass Produkte immer mehr zusammengehen, sehen wir auch in anderen Bereichen – zum Beispiel Möbel, die gleichzeitig als Pflanzbehälter oder Stauraum funktionieren.
E-Commerce und POS
Wie kommunizieren Sie selbst Ihre Produktvorteile am POS oder über den Onlineshop?
E-Commerce und stationärer Handel ist für mich weniger eine Frage von entweder oder, sondern vielmehr eine der Verzahnung. Davon können wir alle profitieren. Den E-Commerce und digitalen Raum sehen wir generell als Plattform für Inspiration und der Generierung von Reichweite. Diese Verzahnung noch besser hinzubekommen, ist die große Aufgabe. Ich denke, da sind wir noch nicht ganz da, wo wir sein könnten. Es hat sich aber schon viel für die Kunden und Kundinnen getan. Das müssen wir weiterführen.

Sascha Ehler beim Balkongespräch auf der spoga+gafa 2026. © Koelnmesse GmbH
Herausforderungen und Chancen
Welche weiteren Herausforderungen und Chancen sehen Sie für die nahe Zukunft aus Ihrer unternehmerischen Perspektive?
Der Markttrend City Gardening überträgt sich insbesondere auf jüngere Zielgruppen. Die haben zunehmend Spaß daran und sehen einen Sinn in der Selbstversorgung. Das können wir mit einem Sortiment bedienen, das ursprünglich aus einem ähnlichen Bedürfnis entstanden ist. Die Generationen meiner Eltern und Großeltern wollten günstig in ihrem Garten Gemüse anziehen. Die frühere Beschränkung in der Stadt ohne Garten gibt es heute so nicht mehr. Es sind jede Menge gute Produkte und Lösungen auf dem Markt. Das ist doch eine sehr gute Perspektive für unsere Branche.
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