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Mehr Fachkräfte für die Grüne Branche

greensight businessRetail

22.04.2026

2 min

von Leif Hallerbach

Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für die Grüne Branche. Der Industrieverband Garten (IVG) und andere Expertinnen und Experten fordern daher gezielte Maßnahmen und eine Umorientierung für die Zukunft.

Mangel in Schlüsselbereichen

In der Grünen Branche betrifft der Fachkräftemangel nicht mehr nur Produktion, Handel und Logistik. Zunehmend sind auch Schlüsselbereiche wie IT, Cybersicherheit, Digitalisierung oder Nachhaltigkeitsmanagement betroffen. Hinzu kommt ein erheblicher Personalmangel in Behörden, der Genehmigungs-, Prüf- und Umsetzungsprozesse zusätzlich verlangsamt. Für den Industrieverband Garten (IVG) ist diese Entwicklung ein systemisches Risiko für Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und die erfolgreiche Transformation der Branche.

Forderung nach koordinierten Maßnahmen

Aus Sicht des IVG kann dieser Entwicklung nur mit einem koordinierten Maßnahmenmix begegnet werden. „Zunächst gilt es, die Grüne Branche stärker als modernen, technologie- und wissensintensiven Wirtschaftssektor sichtbar zu machen“, sagt Philip Testroet, stellvertretender Geschäftsführer beim IVG. Für ihn stehen heute speziell Gartenprodukte und Produkte für Grüne Infrastruktur an der Schnittstelle von Klimaschutz, Ressourcen-effizienz, Digitalisierung und Verbraucherschutz. „Diese Realität muss sich stärker in Berufsorientierung, Studienangeboten und der öffentlichen Wahrnehmung widerspiegeln“, so Testroet. „Zudem muss das Gehaltsniveau auch der Verantwortung entsprechen.“
Die Expertise der Grünen Branche ist unter anderem bei Klimaschutz und -anpassung gefragt. © VGL NRW
Motiv aus der Imagekampagne des Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. © BGL
Philip Testroet, stellvertretender Geschäftsführer beim Industrieverband Garten e. V. © IVG

Mehr Effizienz, weniger Bürokratie

Der IVG fordert zugleich einen Abbau bürokratischer Belastungen wie die zunehmenden Dokumentations- und Berichtspflichten. Für den Verband verschärfen diese den Personalmangel zusätzlich. „Effizientere Verfahren, digitale Prozesse und Regulierungen würden unmittelbar entlasten und vorhandene Kapazitäten besser nutzbar machen“, stellt Philip Testroet fest. Er fordert für die Branche verlässliche und planbare politische Rahmenbedingungen. „Transformation erfordert Zeit, Personal und Know-how – in den Betrieben ebenso wie in den zuständigen Behörden“, so Testroet. „Nur wenn Klimaschutz-, Produkt- und Verbraucherpolitik kohärent ausgestaltet sind, können Unternehmen gezielt in Qualifikation, IT-Sicherheit und neue Berufsbilder investieren.“

Verstärkte Werbung um Fachkräfte

Auch andere Verbände der Gartenbranche bemühen sich um Lösungen gegen den Fachkräftemangel. So wirbt zum Beispiel der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) intensiv auf Social Media um Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Mit regelmäßigen Beiträgen in den sozialen Netzwerken sollen möglichst viele Personen für einen Wechsel in den Garten- und Landschaftsbau interessiert werden. Für ausländische Mitarbeitende hat der Landesverband NRW eigens sogenannte Willkommenslotsen eingestellt, die Betriebe beraten und begleiten. Auf nationaler Ebene fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie eine Gesamtstrategie für die Erschließung aller inländischen Potenziale und die Gewinnung qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte. Insbesondere die berufliche Bildung solle hierfür gestärkt werden.

Benefits für Beschäftigte

Um Fachkräfte zu werben, bieten Unternehmen der Grünen Branche zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle oder interne Weiterbildungsoptionen. Angesichts von angespannten Mietmärkten stellen Unternehmen ihren Beschäftigten auch Wohnraum zur Verfügung oder helfen bei der Wohnungssuche. Als starke Recruiting-Argumente werden eine offene Unternehmenskultur oder auch das Thema Nachhaltigkeit gesehen. So betonte die Unternehmensberaterin Mariel Kleeschulte auf dem vergangenen IVG Forum Gartenmarkt: „Laut einer Erfassung würden sich 70 Prozent der Jobsuchenden eher bewerben oder ein Jobangebot annehmen, wenn das Unternehmen Wert auf Nachhaltigkeit legt.“

Gemeinsames Handeln

Aus Sicht des IVG ist klar: Der Fachkräftemangel ist lösbar. „Aber nur, wenn Politik, Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam handeln“, konstatiert Philip Testroet. „Die Sicherung von Fachkräften in Produktion, IT, Cybersicherheit und öffentlichen Institutionen ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die Grüne Branche ihren Beitrag für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Stabilität erfüllen kann.“
Als internationaler Treffpunkt der Grünen Branche bietet die spoga+gafa vom 22. bis zum 24. Juni 2026 einen Rahmen für Austausch und Information. Mit Neuheiten aus allen Themenbereichen und einem vielfältigen Eventprogramm wird sie wichtige Impulse für die Zukunft der Branche liefern.
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