15.–17.06.27
Kontakt

Neue Vorgaben für Grillprodukte

greensight talksCreation & Care

21.05.2026

2 min

von Leif Hallerbach

Die Entwaldungsverordnung der EU und anderen Regularien haben Auswirkungen auf Grillprodukte. Wir sprechen mit Norbert L. Jedrau von der Barbecue Industry Association Grill e.V. (BIAG) über neue Vorgaben und die damit verbundenen Marktchancen.

Erwartungen an den Grillmarkt

Lieber Herr Jedrau, welche Entwicklung beobachten Sie für den deutschen und internationalen Grillmarkt in den vergangenen Jahren und welche Erwartung haben Sie für 2026?
Der Grillmarkt hat sich trotz der Sondereffekte der Corona-Jahre als widerstandsfähig erwiesen. Nach einer Phase der Konsolidierung zeigt sich seit 2024 wieder eine stabile Entwicklung. Grillen ist längst mehr als ein saisonales Freizeitvergnügen – es steht für Outdoor-Lifestyle, Gemeinschaft und bewussten Genuss. Bis 2026 ist mit einer moderaten und verlässlichen Marktentwicklung zu rechnen. Wachstumstreiber bleiben höherwertige Geräte, Innovationen, Zubehör sowie Brennstoffe mit Qualitäts- und Nachhaltigkeitsprofil.

Neue Regeln für Grillkohle

Seit 2025 greifen in der EU neue Regeln für Brennstoffe, hauptsächlich durch die Entwaldungsfreie-Produkte-Verordnung (EUDR). Was bedeuten diese für Hersteller und Verbraucher?
Ein zentrales Zukunftsthema ist Nachhaltigkeit. Neue europäische Regelungen zur entwaldungsfreien Lieferkette erhöhen Transparenz und Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette. Für Unternehmen bedeutet dies zusätzlichen Dokumentations- und Organisationsaufwand, zugleich aber die Chance, Herkunft, Qualität und Umweltstandards klar zu kommunizieren. Verbraucher profitieren von größerer Sicherheit, nachvollziehbaren Lieferketten und einem wachsenden Angebot an Produkten, die nach DIN E 1860 zertifiziert sind (europäische Norm, die Sicherheitsanforderungen, Werkstoffe, Konstruktion und Prüfverfahren für Grillgeräte festlegt, Anm. d. Red.).
Neue Grillgeräte decken heute ein breites Innovationsfeld ab. © Koelnmesse GmbH
Norbert L. Jedrau von der Barbecue Industry Association Grill e. V. (BIAG). © Koelnmesse GmbH
Neue europäische Regelungen erhöhen die Transparenz bei Lieferketten. © Koelnmesse GmbH

Nachhaltige Brennstoffe

Nachhaltige Brennstoffe erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Sehen Sie hier einen Zukunftstrend?
Nachhaltige Brennstoffe gewinnen im europäischen BBQ-Markt deutlich an Bedeutung. Ob getrieben durch Verbraucherwillen, regulatorische Vorgaben oder beides – die Holzkohlebranche wird zunehmend transparent. Verantwortungsvolle Rohstoffgewinnung aus nachhaltigen Ressourcen und überprüfbaren Lieferketten entwickeln sich bereits durch die EUDR. Aus Sicht des BIAG handelt es sich um einen langfristigen Trend. Entscheidend bleibt, dass Nachhaltigkeit stets mit Produktsicherheit und Qualität einhergeht. Maßgeblich ist die europäische Normenreihe EN 1860. Insbesondere EN 1860-2 definiert verbindliche Anforderungen an Grillholzkohle und -briketts und gewährleistet Reinheit, Sicherheit und Verbraucherschutz. Der BIAG unterstützt nachhaltige Innovationen ausdrücklich, sofern sie die Anforderungen der EN 1860-Reihe konsequent erfüllen. Nur die Verbindung von Umweltverantwortung, normativer Klarheit und fairen Wettbewerbsbedingungen sichert eine stabile und zukunftsfähige Marktentwicklung.

Steigende Komplexität bei Regularien

Gibt es aktuell weitere gesetzliche Regularien, auf die sich Marktteilnehmer einstellen müssen?
Parallel steigt die regulatorische Komplexität. Neben der Produktsicherheitsverordnung (GPSR) betreffen die Branche CE-Kennzeichnung, EU-Gasgeräteverordnung, chemikalienrechtliche Vorgaben (CLP) bei Anzündern, transportrechtliche Anforderungen nach IMO für Holzkohle, das Verpackungsgesetz sowie Entwicklungen zu CO₂, REACH, PFAS und Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Dynamik bleibt hoch. Gerade hier zeigt sich der Mehrwert einer starken Branchenvertretung: Der BIAG bündelt Expertise, beobachtet regulatorische Trends frühzeitig und unterstützt Unternehmen bei der rechtssicheren Umsetzung im Dialog mit Politik, Handel und Industrie.

Aktuelle Produkt- und Retailtrends

Welche Trends beobachten Sie bei der Geräteentwicklung?
Im Produktbereich bleibt 2026 das Portfolio aus Gas-, Holzkohle- und Elektrogrills prägend. An Bedeutung gewinnen modulare Systeme, Einbaukonzepte für Outdoorküchen und technologische Erweiterungen. Zwischen smartem Hightech-Grill und urbanem Lifestyle- Konzept entsteht ein breites Innovationsfeld.
Laut aktuellen Studien bleibt der stationäre Handel die wichtigste Anlaufstelle für Grillprodukte. Wie bewerten Sie die Bedeutung des Onlinehandels in diesem Segment im Hinblick auf die künftige Entwicklung?
Im Vertrieb ergänzen sich stationärer Handel und Onlinekanal zunehmend. Der Handel vor Ort überzeugt durch Beratung und Service, während Onlineangebote Information und Preisvergleich erleichtern. Insgesamt dürfte der Onlineanteil weiter wachsen, ohne den stationären Handel zu verdrängen. Erfolgreich sind vernetzte Konzepte, die Beratung, Service und Sortimentstiefe intelligent kombinieren. Insgesamt ist die Grillindustrie gut aufgestellt: Sie verbindet Tradition mit Innovation, reagiert auf regulatorische Herausforderungen und trifft den Zeitgeist eines bewussten, genussorientierten Konsums. Mit dieser Standortbestimmung unterstreicht der BIAG seine fachliche Einordnung und setzt ein sichtbares Signal für Dialog und Präsenz im Vorfeld der spoga+gafa 2026.
Eine Übersicht aller teilnehmenden Aussteller der spoga+gafa 2026 in den Produktgruppen Grillgeräte, Brennstoffe, Anzündhilfen und Grillzubehör bietet die Ausstellersuche.
Mehr Artikel: